Flagge von Polen

Polen

Hauptstadt
Warschau
 
Fläche
312.685 km²
 
Bevölkerung
38.499.000
 
pro km²
123 Einwohner
 
BIP/Einwohner
US-$
 

Datum & Zeit
24.02.2020
08:29
 
 
+
»
 

Wirtschaft

Das polnische Bruttosozialprodukt betrug 2004 laut der Weltbank 491.549 Mio. USD, was Polen den 22. Platz unter den größten Volkswirtschaften der Welt beschert. Für 2005 wurde ein Wert von 512,9 Mrd. USD prognostiziert. Umgerechnet auf den BSP-Wert pro Einwohner wuchs dieser von 12.000 USD im Jahr 2004 auf 13.275 USD im Jahr 2005, womit sich Polen relativ im Vergleich zu anderen Staaten um sechs Plätze verbessert hat. Das Wirtschaftswachstum war in letzter Zeit im ersten Quartal 2004 (also unmittelbar vor dem EU-Beitritt) mit 6,9 % am höchsten. Nach der Akzession fiel es zunächst beständig, so dass für das Jahr 2004 ein Gesamtwert von 5,3 % zu verzeichnen war. Mittlerweile ist die vorläufige Talsohle wieder durchschritten und die polnische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2005 mit 3,5 %, was voraussichtlich zu einem Gesamtwachstum von 3,3 % führen wird. Für das nächste Jahr wird mit einem Gesamtwachstum von 4 bis 5 % gerechnet.

Die Inflation wird 2005 voraussichtlich 1,8 % betragen, womit sie wahrscheinlich niedriger wäre als die in der Eurozone. Der polnische Zloty ist im Jahresvergleich zum Euro und USD um etwa 20 % stärker geworden. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 15,7 % (Juni 2006), was ungefähr 2,4 Mio. Menschen im erwerbsfähigen Alter ausmacht, und ist im Vergleich zum Vorjahr um etwa 2 Prozentpunkte gefallen. Gleichwohl hat Polen offiziell die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Andererseits dürfte aufgrund der nicht unerheblichen Schattenwirtschaft die faktische Arbeitslosenquote weit niedriger und die Reallöhne höher liegen, da viele Arbeitnehmer und Selbstständige ihre faktischen Einnahmen entweder überhaupt nicht oder zu einem geringeren Betrag dem Fiskus angeben. Eine Studie des Magazins Wprost hat ergeben, dass die Gesamtausgaben der polnischen Bevölkerung die Gesamteinnahmen beträchtlich übersteigen, gleichzeitig aber ihre Kapitalersparnisse stetig wachsen. Dies ist nur damit zu erklären, dass viele Bürger ihre Einnahmen nicht den Finanzämtern melden. 2004 waren etwa 0,5 Mio. polnische Staatsbürger in der westlichen EU beschäftigt, 324.000 davon als Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft und verarbeitenden Industrie, 73.000 in Großbritannien, 14.500 in Irland und 9800 jeweils in Spanien und Frankreich.

Mit dem Eintritt von Polen und neun weiteren Nationen in die EU am 01. Mai 2004 öffneten Schweden, Irland und Großbritannien ihren Arbeitsmarkt unbegrenzt für Arbeitskräfte aus diesen Nationen. Andere Länder wie z. B. Deutschland taten dies in einem limitierten Umfang (so muss ein polnischer Mediziner in Deutschland das Schlussexamen nochmals ablegen, um als Arzt arbeiten zu dürfen, während dies in England nicht verlangt wird).
Diese Öffnung brachte es mit sich, dass die Zahlen polnischer Staatsbürger in diesen Ländern stark stiegen.
Bis zum Jahreswechsel 2006/2007 registrierten die britischen Behörden 380'000 neue Versicherte, mehrheitlich aus Polen und Litauen. Ehepartner und Kinder, die keine Versicherungsnummer benötigen, solange sie keine Arbeit annehmen wollen, sind in dieser Zahl nicht enthalten. Es ist dies die größte Einwanderungswelle, die Großbritannien je erlebt hat. In der Einschätzung des britischen Innenministeriums sind Arbeiter aus Osteuropa zuverlässiger und motivierter als einheimische Arbeitskräfte, vor allem im Niedriglohnbereich, wo sich Osteuropäer meist mit dem staatlichen Mindestlohn (7,90 Euro pro Stunde) zufrieden geben.

Die Regierung in London ging bei der Öffnung noch von 13.000 Arbeitskräften aus, die jährlich ins Land kommen würden, und musste auf Druck der Öffentlichkeit und der Opposition die Zuwanderung begrenzen: für Rumänien und Bulgarien, die am 1. Januar 2007 in die EU eintraten, gilt die „Politik der offenen Tür“ nicht mehr.
Die Zahl der Polen, die seit dem 1. Mai 2004 nach Irland gingen, ist nicht genau bekannt. Je nach Quelle gehen die Schätzungen bis zu 400'000 Personen, inkl. Familienangehörige.

Der Abfluss von Arbeitskräften hat für die polnische Wirtschaft teils drastische Auswirkungen. Aus Mangel an Ärzten und Pflegekräften mussten einzelne kleinere Spitäler in ländlichen Gebieten bereits ganze Abteilungen schließen. Die Stadt Breslau kann den Bau eines neuen Fußballstadions nicht in Angriff nehmen, da keine Baufirmen mit genügend qualifiziertem Personal zur Verfügung stehen. Die Sanierung der Autobahn von Berlin nach Breslau war nur durch deutsche Baufirmen und mehrheitlich Arbeiter aus Ostdeutschland möglich, da polnische Baufirmen auch in diesem Falle nicht das notwendige Personal hatten.
Die einfache Auswanderung in die erwähnten Staaten hat dafür gesorgt, dass die USA als Ziel viel von ihrer Attraktivität verloren haben, denn für die USA besteht für Polen nach wie vor Visumszwang (rund 40 % der Anträge werden abgelehnt) und auch eine Arbeitserlaubnis wird verlangt. Schon im Jahr 2005 hat die polnische Gemeinde in Chicago (rund 800.000 Polen) 5,3 % weniger permanente Aufenthaltsbewilligungen für Einwanderer aus Polen registriert als 2004 und jene Gewerbezweige, die sich auf polnische Kundschaft spezialisiert haben (vor allem Gastronomie) kämpfen mit Schwierigkeiten oder müssen das Geschäftsmodell ändern. Eine weitere Seite des Arbeitskräftemangels zeigte sich in der Adventszeit 2007: Im Detailhandel fehlt Verkaufspersonal. Aufgrund der sehr geringen Löhne in dieser Branche können viele Stellen nicht besetzt werden, was durch die grossen Weihnachtseinkäufe nun deutlich auffällt. Weitere Anbieter von Beschäftigung, die im Ruf steht einfältig und schlecht bezahlt zu sein, oder die eine Reputation als unangenehme Arbeitgeber haben, führen permanent Rekrutierungskampagnen in Druckmedien und Plakaten. Dies sind z. B. Gebäudereinigungsfirmen. Im November 2007 ging die Fastfood-Kette Mc Donalds noch einen Schritt weiter und schaltete Fernsehreklame zur Mitarbeiterwerbung.

Der Export 2004 umfasste 73,78 Mrd. USD und der Import 88,16 Mrd. USD. Das hohe Außenhandelsdefizit ist jedoch im Fallen begriffen. Mit 30,1 und 24,4 % stellte Deutschland den größten Handelspartner dar, obwohl auch dieser Anteil zurückgeht und der Handel mit der Ukraine und Russland überdurchschnittlich zunimmt. Weitere wichtige Handelspartner sind die EU-Staaten Italien, Frankreich, Großbritannien und die Tschechische Republik, sowie die USA und die Volksrepublik China. Bei den Direktinvestitionen sind Frankreich und Großbritannien führend. Der Anteil der Bundesrepublik ist erstaunlicherweise kleiner. Polen exportiert landwirtschaftliche und industrielle Produkte und zunehmend auch Dienstleistungen, z. B. im Rahmen des Outsourcing von Geschäftsbereichen (Buchführung, Marketing, Kundenbetreuung) ausländischer Unternehmen. Ausländische Investoren investieren vor allem in den Finanzsektor, der in den letzten Jahren jeweils ein zweistelliges Wachstum verzeichnen konnte. Ende 2004 wurde die größte polnische Bank Pekao SA privatisiert. Ein möglicher Zusammenschluss von Bank Pekao SA und Bank BPH im Rahmen der Übernahme der HVB durch Unicredito würde jedoch eine noch größere Bank entstehen lassen. Andererseits versuchen immer mehr ausländische Unternehmer sich polnisches Kapital auf der Warschauer Börse (GPW) und dem Warschauer Aktienindex (WIG) zu verschaffen. Seit dem 1. Mai 2004 haben bereits 13 ausländische Emittenten den Antrag auf Eintragung bei der GPW gestellt und sieben sind dort bereits notiert, unter anderen CEZ Group und MOL. 2004 sank die Zahl der registrierten Unternehmen um 4.600, wobei hauptsächlich Ein-Mann-Unternehmen schlossen. Insgesamt waren Ende 2004 3,5 Mio. Unternehmen registriert.

Basierend auf dem Artikel Polen der freien Enzyklopädie Wikipedia unter der GNU Free Documentation License.
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