Geschichte
Die Landschaft der Pellenz im äußersten Osten der Eifel ist ein urlates Siedlungs- und Kulturgebiet. Erste Spuren des Menschen führen bis in die Altsteinzeit (vor rund 200.000 Jahren) zurück. So entdeckten Forscher auch auf den Wannen sowie den Wannen- und Eiterköpfen bei Saffig alt - und mittelpaläolithische Siedlungsplätze Tierknochen und Steinwerkzeuge beweisen, dass Neandertaler dort das in der Ebene erlegte Wild (u. a. Hirsch, Ren, Pferd, Esel) verwerteten.
Grabfunde deuten auf eine kontinuierliche Besiedlung von der Jüngeren Bronzezeit und Urnenfelderkultur (um 1250 - um 750 v. Chr.) über die eisenzeitliche Eifel-Hunsrück-Kultur (um 750 - um 500 v. Chr.) bis zur Spätlatènezeit hin.
Der Ortsname „Saffig“ ist nach jüngsten sprachwissenschaftlichen Untersuchungen keltischen Ursprungs. Im Neuwieder Becken lagen die am weitesten nach Osten vorgeschobenen Siedlungen der keltischen Treverer, die in der Zeit des Gallischen Krieges ( 58-50 v. Chr.) von Caesar unterworfen wurden. Die Römer nutzten die Pellenz zur Ansiedlung landwirtschaftlicher Betriebe sowie als Baustofflieferant (Basalt, Tuff) für zivile und militärische Projekte. So wurden in Saffig verschiedentlich Überreste von „villae rusticae“ mit dazugehörigen Wasserleitungen entdeckt. In einem römischen Brandgrab des 2. Jh. n. Chr. fand man u. a. ein Kultbrot, das damit zu den ältesten Gebäckfunden Deutschlands gezählt werden muss. Aufbewahrt wird diese kulturgeschichtliche Besonderheit im Pellenz-Museum in Nickenich.
Die Bimsindustrie war und ist für die Archäologie in der Pellenz Segen und Fluch zugleich; viele Funde wurden durch sie erst möglich, nicht wenige aber auch zerstört. Ein positives Beispiel ist die Freilegung eines fränkischen Reihengräberfeldes 1980/81. Am Westrand von Saffig war man zufällig auf diesen Friedhof der Merowingerzeit gestoßen. Von ursprünglich wohl einmal 350 Gräbern konnten 250 systematisch untersucht werden. Neben zahlreichen Grabbeigaben (Schmuck, Keramik, Waffen) fand man auch Grabsteine aus Tuff, von dennen einige unzweideutig christiliche Symbole aufweisen.
Die Größe des Gräberfeldes und der hohe Anteil an Kindergräbern deutet auf eine benachbarte Siedlung hin, deren Tote hier von derzweiten Hälfte des 6. Jh. bis zum Ende des 7. Jh. bestattet wurden. Vermutlich rekrutierten sich die Christen dieses Dorfes vor allem aus der romanischen Restbevölkerung. Die frühmittelalterliche Siedlung darf man nahe der Quelle des Burbachs (heute im ehem. Schloßpark) annehmen, eines Zuflusses der Nette. Noch heute befindet sich hier der Ortskern. Die Ausgrabungen erlauben es, die Anfänge einer Saffiger Dorfgemeinschaft um rund 700 Jahre zurück zu datieren, denn urkundlich erwähnt wird die Gemeinde als „Saffge“ erst 1258.
Damals war Saffig als kurkönisches Lehen in der Hand der Herren von Kempenich. Die Patronatsrechte lagen (bis 1725) beim adligen St.-Cäcilien-Stift in Köln. Ihm verdankt die Pfarrei gewiß auch das Patrozinium der römischen Märtyrerin Cäcilia – übrigens das einzige in der Diözese Trier.
Über Peter von Schöneck und Simon Machenheimer von Zweibrücken kam die Saffiger Herrschaft schließlich 1481 als Lehen in die Familie von der Leyen. Georg von der Leyen hatte Simons Tochter Eva geheiratet. Bis zum Endes des Alten Reiches blieb fortan die Geschichte des Ortes aufs engeste mit der des bedeutenden mittelrheinischen Adelsgeschlechtes verbunden.
Johannes Butzbach oder Piemontanus (1477 bis 1516), Prior der Benediktinerabtei Maria Laach und bedeutender Humanist, erwähnt in seinem „Wanderbüchlein“, wie er im Dezember 1500 auf dem Weg ins Kloster im „Haus des hochedlen Herren Georg von der Leyen“ in Saffig Station machte. Georgs Sohn, Simon amtierte zu dieser Zeit als Abt in Maria Laarch (1491-1512).
Um 1490 kam in Saffig Peter Briesger zur Welt, einer der renommiertesten Orgelbauer der Renaissance. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Instrumente in Maastricht, Tongern, Koblenz, Andernach sowie die Trierer Domorgel (1537).
Als im Jahr 1703 mit dem Tod des Freiherrn Karl Kasper die Saffiger Linie von der Leyen erlosch, fiel die kurkölnische Herrschaft - neben Hauptsitz in Koblenz - an den älteren gräflichen Zweig. Saffig wurde nun zu einer repräsentativen Dependance ausgebaut. Im Mittelpunkt standen das Grafenschloß und die 1739-1742 nach Plänen Balthasar Neumanns erbaute Kirche. Nach Annexion der linksrheinischen Gebiete durch Frankreich in der Zeit der Revolutionskriege (1794-1815) wurde der von Napoléon Bonaparte in den Fürstenstand erhobene Philipp von der Leyen rechtsrheinisch entschädigt und Mitglied des Rheinbundes. Saffig erhielt den Status einer „Mairie“, zu der die Nachbargemeinden Plaidt, Kruft und Kretz gehörten. Die preußische Verwaltung machte Saffig zu einem Teil der Bürgermeisterei Andernach (seit 1992 Verbandsgemeinde Pellenz).
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde die Bau-Steine-Erden-Industrie zum bestimmenden Wirtschaftsfaktor in der Region. Aus der vorindustriellen „Rauschermühle“ am Nettefluß wurde eines der ersten Elektrizitätswerke im nördlichen Rheinland-Pfalz (1911/12) und schließlich die heutige Betriebsverwaltung sowie das Ausbildungszentrum der RWE AG.
Die Folgen des Niedergangs der Bimsindustrie ab den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts konnten in Saffig aber auch durch den Ausbau der Psychiatrischen Klinik gemildert werden. Seit 1869 nimmt sich die vom seligen Peter Friedhofen (1819-1860) gegründete Kongregation der „Barmherzige Brüder von Maria Hilf“ behinderter Menschen an.
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